Unkrautbekämpfung

Die Unkrautbekämpfung ist im Mais die wichtigste direkte Pflanzenschutzmaßnahme.      

Die Konkurrenzkraft von Mais gegenüber Unkräutern ist sehr gering. Mais zählt zusammen mit der Zuckerrübe zu den Ackerkulturen, die ohne Unkrautbekämpfung nicht erfolgreich angebaut werden können.     

Eine wirtschaftliche Notwendigkeit der Unkrautbekämpfung ist schon bei schwacher Verunkrautung gegeben. Dies trifft vor allem für die Zeit vom 4- bis 8-Blatt-Stadium der Maispflanze zu. Eine Verunkrautung vor diesem Stadium bzw. ein Neuauflauf von Unkräutern nach dem 8-Blatt-Stadium führten dagegen zu keinen wirtschaftlichen Schäden. 

Bei der Bekämpfung von Unkräutern und Ungräsern im Mais muss der richtige Termin gewählt werden, da sonst der Bekämpfungserfolg nicht optimal ist und Nachbehandlungen notwendig werden.

Zur vorbeugenden Bekämpfung von Unkräutern sind unter anderem mechanische Maßnahmen, Bodenbearbeitung und eine zügige Jugendentwicklung einer chemischen Anwendung vorzuziehen. Vor der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist zu prüfen, ob eine reduzierte Aufwandmenge oder Teilflächenbehandlung möglich ist. Hinweise zu den verschiedenen Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes gibt die "Leitlinie zum integrierten Pflanzenschutz im Mais".

    

Mechanische Verfahren     

Mais reagiert bis zum 8-Blatt-Stadium sehr empfindlich auf eine Verunkrautung, daher ist eine entsprechende Bekämpfung nötig. In ökologisch wirtschaftenden Betrieben und im integrierten Pflanzenschutz stehen in erster Linie Striegel und Hacken zur Verfügung, um auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verzichten oder diesen zu reduzieren.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz der Geräte ist ein ebenes, trockenes, gut rückverfestigtes und fein krümeliges Saatbett. Je nach Witterung kann schon kurz nach der Maisaussaat ein Blindstriegeln erfolgen, eine zweite Anwendung ist nach 5-10 Tagen sinnvoll, um durch das erste Striegeln neu zum Keimen angeregte Samen zu bekämpfen. Die Fahrtrichtung sollte diagonal oder quer zur Aussaatrichtung erfolgen. Hierbei ist es wichtig, dass die Keimlinge gerade im Stadium des „Spitzens“ sind, damit sie erfolgreich mit Erde bedeckt oder ausgerissen werden. Sobald sich die Unkräuter im 2-Blatt-Stadium befinden, werden sie beim Striegeln nicht effektiv bekämpft. Wenn der Mais aufläuft, sollten keine mechanischen Maßnahmen auf dem Acker erfolgen, da die junge Maispflanze hierauf empfindlich reagiert.

Sobald sich der Mais im 2- oder 3-Blatt-Stadium befindet, kann eine weitere Überfahrt mit dem Striegel oder der Hacke erfolgen. Um die jungen Maispflanzen nicht zu verschütten, ist an Hacken ein Schutzblech zu montieren. Da die Maispflanze am Nachmittag am biegsamsten ist, sollte eine Überfahrt entsprechend geplant werden, um ein Abbrechen der Pflanzen zu verhindern. Um das Unkraut zwischen den Maispflanzen zu bekämpfen, sind die Schare der Hacke bei der zweiten Überfahrt im 6- bis 8-Blatt-Stadium so einzustellen, dass diese innerhalb der Maisreihe Erde anhäufen, wodurch das Unkraut verschüttet wird. Je nach Geräteträger kann zusätzlich eine Fingerhacke angebracht werden. Diese greift mit Ihren „Fingern“ zwischen die Reihen und kann kleinere Unkräuter herausreißen oder verschütten, ohne die Maispflanze dabei zu beschädigen. Für ein optimales Ergebnis ist, neben den oben genannten Bedingungen, zu beachten, dass der Einsatz der Maschinen nicht streng nach dem Entwicklungsstand des Maises erfolgen darf. Vielmehr sollten das Wetter und der Unkrautdruck den optimalen Bearbeitungszeitpunkt vorgeben. Um beim Hacken keine Maispflanzen zu beschädigen, gibt es inzwischen kameragesteuerte Modelle, welche die Arbeitsgeräte auf dem Hackrahmen quer verschieben und damit zwischen den Maisreihen halten.       

Chemische Verfahren     

Die Unkrautbekämpfung in Mais erfolgt überwiegend mit Herbiziden, also chemisch.     

Nach dem Wegfall von Atrazin wurden Forschung und Entwicklung neuer Maisherbizide und Bekämpfungsverfahren intensiviert. Es stehen heute eine Vielzahl von Wirkstoffen zur Verfügung, die im Vorsaat-, Vorauflauf- oder Nachauflaufverfahren eingesetzt werden können. Häufig werden verschiedene Wirkstoffe kombiniert, um das Wirkungsspektrum zu erweitern. Die deutliche Entwicklung hin zur Nachauflaufbehandlung ermöglicht eine gezielte Herbizidanwendung, was zudem den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes entspricht.     

Bei der Auswahl der Herbizide ist auf folgendes zu achten:     

  • vorhandene Unkrautarten      
  • Wirkungslücken der Herbizide      
  • die vorgesehenen Anwendungsverfahren      
  • die möglichen Anwendungsbeschränkungen (Wasserschutzgebietsauflage)      
  • die Preiswürdigkeit     

Für das Nachauflaufverfahren auf mineralischen Böden sollten Mittel gewählt werden, die eine Blatt- und Bodenwirkung besitzen, damit die Unkräuter einerseits unabhängig von der Bodenfeuchte bekämpft werden und andererseits noch auflaufende Unkräuter zum späteren Zeitpunkt erfasst werden. Gegebenenfalls können entsprechend wirksame Einzelmittel kombiniert werden.     

Auf unkrautwüchsigen, humosen Standorten mit mehreren Keimwellen sollten Herbizide mit Blattwirkung eingesetzt werden. In diesen Fällen bietet sich das Splitting-Verfahren mit reduzierten Aufwandmengen im frühen Entwicklungsstadium der Unkräuter bzw. der Ungräser an.      

Kombinierte Verfahren     

Je nach Standort und bei großem Saatgutvorrat im Boden führt eine mechanische Bekämpfung nicht zu einer ausreichenden Bekämpfung der Unkräuter, so dass es zu Ertragseinbußen kommen kann. Insbesondere Betriebe, die nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes arbeiten und eine Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes verfolgen, können in diesem Fall chemische und mechanische Verfahren miteinander kombinieren. Bei diesem Verfahren erfolgt im 2- bis 4-Blatt-Stadium eine blattwirksame Herbizid-Applikation. Kurz vor Reihenschluss erfolgt dann eine mechanische Bearbeitung mit der Hacke. Alternativ kann, wie bei den „Mechanischen Verfahren“ beschrieben, das Striegeln erfolgen und bei Bedarf eine Streifenbehandlung mit einem Herbizid direkt in der Reihe durchgeführt werden.       

Hinweise     

Zur Vermeidung von Ertragsausfällen ist der Mais vom 3 - 4 Blatt- bis zum 8-Blattstadium weitgehend unkrautfrei zu halten (zeitliche Schadensschwelle). Mit Bodenherbiziden kann die Behandlung vor dem Auflaufen bis in den frühen Nachauflauf durchgeführt werden; für eine gute Wirkung muss ausreichend Bodenfeuchte vorhanden sein. Zur Wirkungsverbesserung empfiehlt sich die Kombination von Herbiziden (Wirkung über Blatt- und Boden). Nachauflaufmittel nicht unmittelbar nach Regenperioden oder bei starker Sonneneinstrahlung anwenden, da sonst Kulturschäden auftreten können!      

Bei Sulfonylharnstoffherbiziden (z.B. Cato, Motivell, Task) besteht das Risiko von Kulturschäden bei hohen Temperaturschwankungen, bei tiefen Nacht- und hohen Tagestemperaturen, sowie bei gestressten Maisbeständen. Ideal ist die Anwendung, wenn sich der Mais in einer aktiven Wachstumsphase befindet und eine Wachsschicht vorhanden ist.      

Für jeden Standort muss nach Zusammensetzung und Umfang der Verunkrautung eine individuelle Strategie in der Unkrautbekämpfung entwickelt werden. Gestaltungsmöglichkeiten bieten neben der Mittelwahl die Aufwandmenge, Spritzfolgen sowie die Kombinationseignung der Herbizide nach Wirkungsspektrum und Wirkungsweise (Blatt, Boden).      

 

Aktuelle (chemische) Unkrautbekämpfung     

Die unten wiedergegebenen Tabellen und Abbildungen zeigen eine Auswahl von Herbiziden zur Bekämpfung von Unkräutern, Ungräsern sowie breitblättrigen Samenunkräutern im Mais.      

Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, Wirksamkeit und Gewährleistung der hier wiedergegebenen Daten. Bitte beachten Sie die Gebrauchsanleitung der Herstellerfirmen und die gesetzlichen Vorgaben zur Einhaltung der Mindestabstände zu Gewässern. Eine Haftung kann hieraus nicht abgeleitet werden. 

 

Tab. 1: Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen

Tab. 2: Spritzfolge oder Einmalbehandlung

Tab. 3: Herbizidpacks

Tab. 4: Kartoffeldurchwuchsbekämpfung

Tab. 5a: Maisherbizide-Anwendungshinweise

Tab. 5b: Maisherbizide-Wirkungsspektren

Abb. 1: Rotationsprinzip

Abb. 2: Grundwasserschutz

Abb. 3: Beispiele Einzelbehandlung oder Spritzfolge

Abb. 4: Erdmandelgrasbekämpfung

  

Autor: Dr. Dirk M. Wolber, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Fachbereich 3.7-Pflanzenschutzamt, Hannover, In: Zeitschrift "mais", Heft 02/2019, Welche Strategie zur Unkrautbekämpfung im Mais 2019?

       

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