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Kommentar der Ausgabe 01/10

„Qualitatives Wachstum“ Mais

 

Friedhelm Taube, Kiel

 

Der Mais hat im Jahr 2009 den Status der mengenmäßig wichtigsten Kulturpflanze der Welt erreicht und auch in Deutschland haben über die Jahre Zuchtfortschritte, Fortschritte in der Produktionstechnik und in neuerer Zeit politische Rahmenbedingungen (EEG) zu einer stetigen Zunahme der Anbaufläche geführt. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend im Jahr 2010 und darüber hinaus fortsetzt, da zum einen der Zuchtfortschritt für das Merkmal „Ertrag“ stärker ausgeprägt ist als bei anderen Kulturpflanzen und zum anderen der Mais zu den „Gewinnern“ des prognostizierten Klimawandels gehören dürfte. Rosige Zeiten also für den Mais? Die Antwort lautet: Ja, wenn es auch weiterhin gelingt, dieses Wachstum in der Fläche sowohl durch umweltverträgliche Leitplanken abzusichern als auch durch weitere qualitative züchterische Fortschritte und angepasste Produktionstechnik positiv zu beeinflussen.

Der Anbau von Mais in Fruchtfolgen ist ein zentraler Baustein eines qualitativen Maiswachstums in der Fläche. Mit zunehmenden Maisanbauflächen insbesondere in schon heute intensiven Maisregionen steigen auf manchen Betrieben die Maisanteile in der Fruchtfolge bis hin zum Anbau in Monokultur. Neben den damit verbundenen Ertragseinbußen, die häufig nicht in der betriebswirtschaftlichen Kalkulation berücksichtigt werden, nehmen phytosanitäre Probleme (z.B. Fusarienproblematik, Maiszünsler) zu und darüber hinaus wird es problematisch, wesentliche Nachhaltigkeitskriterien wie eine ausgewogene Nährstoff- und Humusbilanz insbesondere beim Silomaisanbau zu erfüllen. Ein zentrales Problem stellt in diesem Zusammenhang die Umwandlung von Dauergrünland in Acker zum Zwecke des Silomaisanbaus dar. Die Ausweitung des Maisanbaus in diesen Regionen, die durch absolutes Grünland gekennzeichnet sind, ist daher explizit durch den Gesetzgeber sanktioniert und dies ist auch notwendigerweise konsequent umzusetzen, um den guten Ruf der Kulturpflanze Mais nicht zu gefährden.
Eine Ausweitung der Maisanbauflächen „um jeden Preis“ ist somit zu verwerfen und durch ein „qualitatives Wachstum“ zu ersetzen, welches gleichermaßen die Produktionsfunktion und die Ökosystemfunktionen in Agrarlandschaften erfüllt. „Qualitatives Wachstum“ im Sinne der Produktionsfunktion bedeutet auch eine Umsetzung von Zuchtzielen, die sowohl auf Ertragsmerkmale als auch Qualitätsmerkmale abheben. In Bezug auf die Ertragssteigerung sind in der Vergangenheit beeindruckende Zuchtfortschritte dokumentiert, die in der Zukunft insbesondere auf das Zuchtziel „Ertragssicherheit“ abheben müssen, wobei der Erhöhung der Wassernutzungseffizienz eine zentrale Rolle zukommen wird. Hier gibt es viel versprechende Ansätze auf der Basis innovativer Züchtungsmethoden und auch im Bereich der Qualität sind in jüngster Zeit Fortschritte zum Beispiel im Bereich Methanausbeute aus Mais in vom Deutschen Maiskomitee initiierten und koordinierten Projekten vorzuweisen. Bezüglich der Steigerung der Futterqualität von Silomais zur Wiederkäuerernährung hat die viel beachtete Veranstaltung des DMK-Ausschusses Futterkonservierung und Fütterung im März 2009 in Braunschweig gezeigt, dass es weiterhin Optimierungspotentiale gibt.
Zuchtfortschritte müssen durch entsprechende acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen in der landwirtschaftlichen Praxis umgesetzt werden. Insofern ist die gute fachliche Praxis des Maisanbaus ständig an neue Herausforderungen anzupassen. Mit zunehmenden Maisanbauflächen wird neben der Fruchtfolgegestaltung auch in Zukunft die Bodenbearbeitung weiter eine prominente Rolle spielen, sowohl vor dem Hintergrund der Erosionsproblematik als auch der phyosanitären Aspekte.


Zitat:Eine Ausweitung der Maisanbauflächen „um jeden Preis“ ist somit zu verwerfen und durch ein „qualitatives Wachstum“ zu ersetzen, welches gleichermaßen die Produktionsfunktion und die Ökosystemfunktionen in Agrarlandschaften erfüllt.


Prof. Dr. Friedhelm Taube, Christian-Albrecht-Universität, Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät, Grünland u. Futterbau/Ökologischer Landbau, 24118 Kiel, Tel.: 0431-8802134, Fax: 0431-8804568, E-Mail: ftaube@uni-kiel.de

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