Kommentar
„Biogas unter neuen Vorgaben – wie geht es weiter?“
Claudius da Costa Gomez, Freiburg
Am 8. Juli 2012 hat der Bundesrat das Energiepaket der Bundesregierung verabschiedet. Darin wurde neben dem Atomausstieg auch die Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) für das Jahr 2012 beschlossen. Nachdem das ganze Energiepaket und damit auch das EEG aufgrund der engen Zeitvorgabe der Bundesregierung nach faktisch nur sechs Wochen Beratungszeit verabschiedet wurde, waren Ungereimtheiten im Gesetz vorprogrammiert. Nun wird man bei einigen Punkten nie klären, was wirklich so gewollt war und was der hektischen Entstehungsgeschichte geschuldet ist.
Sicher ist, dass der Gesetzgeber entgegen vieler fachlicher Argumente den Anbau einiger Energiepflanzen reduzieren und denjenigen anderer Energiepflanzen fördern wollte. Auch wurde versucht, Mechanismen einzubauen, die den Einsatz von Abfällen, Gülle und anderen landwirtschaftlichen Nebenprodukten in Biogasanlagen fördern. Es wird sich zeigen, in wieweit dies mit dem EEG 2012 auch gelingen wird. Der Fachverband Biogas geht davon aus, dass durch die neue Gülle–Kleinanlagen-Klasse bis 75 Kilowatt installierter elektrischer Leistung tatsächlich wieder Anlagen in dieser Leistungsgröße errichtet werden. Ob damit relevante zusätzliche Mengen an Gülle in Biogasanlagen gelangen, muss abgewartet werden. Viel wird davon abhängen, ob die Anbieter von Biogasanlagen in der Lage sein werden, Biogasanlagen in dieser Größe und in den von den Genehmigungsbehörden geforderten Standards so kostengünstig anbieten zu können, dass die Vergütung von 25 Cent je Kilowattstunde eingespeisten Strom auch kostendeckend ist. Im Bereich des zusätzlichen Einsatzes organischer Abfälle ist nicht zu erwarten, dass große zusätzliche Stoffströme in Biogasanlagen gelangen, da die meisten sinnvoll vergärbaren Stoffe schon heute in Biogasanlagen gelangen.
Nach Einschätzung des Fachverband Biogas werden aber auch mit dem EEG 2012 Biogasanlagen zur Vergärung von Energiepflanzen errichtet werden. Nur so wird es möglich sein, das Potenzial der Biogasnutzung zu schöpfen und somit auch die Ziele der Bundesregierung zur nachhaltigen Energieversorgung zu erreichen. Die derzeit für die Biogas-vor-Ort-Verstromung eingesetzten 825.000 Hektar Energiepflanzenfläche lassen sich, ohne die Nahrungsmittelproduktion reduzieren zu müssen, bis ins Jahr 2020 sicherlich auf knapp 2 Millionen Hektar aus dehnen. Mit dieser Fläche könnten dann auch die von der Bundesregierung gesteckten Ziele zur Produktion von rund 44 Terrawattstunden elektrischen Stroms in Vor-Ort-Verstromung und Gaseinspeisung erreicht werden. Bei dieser Menge an Energie, die der regenerative Energieträger Biogas bereitstellen kann, werden sicher auch zukünftig organische Abfälle und Nebenprodukte als Einsatzstoffe eine wichtige Rolle spielen. Der überwiegende Teil des Potenzials liegt jedoch im Anbau von Energiepflanzen.
Nachdem die Biogasbranche aufgrund des Energiepflanzenanbaus generell, aber besonders auch wegen der sichtbaren Präsenz des Maises auf den Feldern sehr intensiv in der öffentlichen Kritik steht, muss die Branche beweisen, dass sie die Ressourcen effizient und umweltverträglich nutzt. Der Mais wird dabei auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen, mit dem EEG 2012 ist aber auch eine klare politische Vorgabe in Richtung einer Diversifizierung der Energiepflanzenproduktion gegeben worden. Dieser Herausforderung werden wir uns alle gemeinsam stellen müssen: Durch sinnvolle Fruchtfolgen, Blühstreifen, neue Energiepflanzen, Zwischenfrüchte und gute Öffentlichkeitsarbeit muss die Branche zeigen, dass altbekannte und neue Energiepflanzen einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten. Dabei müssen alle Beteiligte sicher auch mal über ihren eigenen Schatten springen, um gewohnte und vielleicht auch liebgewonnene Pfade zu verlassen, dafür aber neue und spannende Wege zu einer Energiewende mit Biogas zu finden.
Dr. Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer Fachverband Biogas e.V., 85356 Freising, Telefon 08161-984660, Telefax 08161-984670, claudius.dacostagomez@biogas.org

