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Kommentar der Ausgabe 04/08

MAIS ZWISCHEN MISCHFUTTER UND BIOENERGIE


 

Hans-Wilhelm Windhorst, Vechta


 

Der drastische Anstieg der Mischfutterpreise im Sommer 2007 war ein erstes Anzeichen für die veränderte Situation auf den Weltmärkten für die benötigten Rohkomponenten. Dies betraf sowohl Mais und Futterweizen als auch Sojabohnen. Über die Ursachen für diese Entwicklung wurde zum Teil sehr kontrovers diskutiert. Zum einen wurde die Meinung vertreten, dass insbesondere die schnelle Ausweitung der Bioenergieproduktion die Preiserhöhung ausgelöst habe, zum anderen, dass eher die schlechten Ernteergebnisse in Osteuropa und Australien und Spekulationsgeschäfte verantwortlich seien. Wahrscheinlich ist, dass alle drei Faktoren eine Rolle gespielt haben. Der gegenwärtig zu beobachtende Preiseinbruch auf den Rohstoff- und Mischfuttermärkten darf aber nicht zu der Einschätzung führen, bei dem Preishoch der zurückliegenden Monate habe es sich um ein einmaliges Ereignis gehandelt und die Preise würden sich auf Dauer wieder auf dem niedrigen Niveau einpendeln. Denn die Entwicklung der letzten Wochen und Monate ist sowohl auf hohe Ernteschätzungen zurückzuführen als auch auf deutlich sinkende Rohölpreise und einen generell zu beobachtenden Abschwung in der Konjunktur.

Was wird mittel- und langfristig die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten für Mischfutter steuern? Zum einen ist zu berücksichtigen, dass die Weltbevölkerung pro Jahr um etwa 80 Mio. Menschen zunimmt, davon entfallen gut 95 Prozent auf Entwicklungs- und Schwellenländer und weniger als fünf Prozent auf die Industriestaaten. Parallel dazu entstehen in zahlreichen Schwellenländern neue Käuferschichten, die zunehmend Fleisch- und Fleischprodukte nachfragen. Bis zum Jahr 2016 wird ein Anstieg der globalen Rindfleischproduktion um 11 Mio. t und der Schweinefleischerzeugung um 22 Mill. t erwartet. Die Produktion von Geflügelfleisch dürfte um 17 Mio. t und die von Eiern um 12 Mill. t ansteigen. Dies wird die Nachfrage nach Futtergetreide, Mais und Ölpflanzen, insbesondere Sojabohnen, kontinuierlich ansteigen lassen. Dazu kommt die Nachfrage nach Brotgetreide. Da die landwirtschaftliche Nutzfläche nicht in gleichem Umfang ausgeweitet werden kann, muss auf anderen Wegen versucht werden, der Nachfrage zu begegnen.

Welche Entwicklungen zeichnen sich beim Mais ab? Mais kann in unterschiedlicher Form genutzt werden, was als großer Vorteil anzusehen ist. Als Silomais ist er in der Rindermast und Milchviehhaltung verwendbar, aber auch als Rohstoff für die Erzeugung von Biogas. Als CCM ist er in der Rinder- und Schweinemast einsetzbar. Körnermais kann für die menschliche Ernährung (Maismehl, Maiskeimöl), in der Mischfutterherstellung und als Rohstoff für die Erzeugung von Bioethanol verwendet werden. Die genannten Einsatzmöglichkeiten treten allerdings auch in Konkurrenz zueinander.

Die Entwicklung des Weltmarktpreises für Mais wird in hohem Maße beeinflusst werden von den Mengen, die in die Erzeugung von Bioethanol gehen. Hier ist insbesondere die Dynamik in den USA, dem wichtigsten Maisexporteur, zu berücksichtigen. Nach dem Energy Independence and Security Act von 2007 ist vorgesehen, die Produktion von konventionellen Biokraftstoffen bis zum Jahr 2022 auf 46,4 Mio. t zu steigern. Nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums der USA werden bereits im Wirtschaftsjahr 2016/17 über 30 Prozent der Maisernte für die Bioethanolproduktion verwendet werden müssen, was angesichts der globalen Bevölkerungsentwicklung und der daran gekoppelten Nachfrage nach tierischen Nahrungsmitteln unausweichlich zu einer Erhöhung der Weltmarktpreise führen wird. Für die EU, die auf Importe von Mais und Maiskleber angewiesen ist, könnte dies bedeuten, dass verstärkt auf heimisches Getreide in der Mischfutterherstellung zurückgegriffen werden muss. Eine deutliche Ausweitung der Anbauflächen von Körnermais in der EU könnte Grenzen wegen der Wasserverfügbarkeit erfahren. Erschwerend kommt für Deutschland hinzu, dass sich in den Zentren der deutschen Schweinehaltung im nordwestlichen Niedersachsen schon jetzt der Wettbewerb zwischen dem Anbau von Silomais für Biogasanlagen und von Körnermais bzw. CCM dahingehend ausgewirkt hat, dass die Anbauflächen für Futtergetreide stark abgenommen und die Silomaisflächen deutlich zugenommen haben. Die weitere Entwicklung wird hier abhängen von der Bioenergiepolitik der EU bzw. Deutschlands sowie der Dynamik der Marktpreise für Schlachtschweine.


Zitat:Die weitere Entwicklung wird abhängen von der Bioenergiepolitik der EU bzw. Deutschlands sowie der Dynamik der Marktpreise für Schlachtschweine.


Prof. Dr. Hans-Wilhelm Windhorst, Direktor des Instituts für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA), Hochschule Vechta und Wiss. Leiter des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE), 49377 Vechta, Tel.: 04441-15-348, E-Mail: hwindhorst@ispa.uni-vechta.de

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