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Kommentar der Ausgabe 04/07

LEISTUNGEN STABILISIEREN

 

Frieder J. Schwarz, Freising

 

Der Anbau von Mais in Europa erfolgt nach wie vor überwiegend zu Futterzwecken für die Tierproduktion. Damit ist Mais eng mit der Erzeugung tierischer Nahrungsmittel verknüpft – auch wenn sich aufgrund der derzeit geführten Diskussionen der Eindruck aufdrängt, Mais wird nur als nachwachsender Rohstoff bzw. zur Biogasgewinnung genutzt! Für den Maiszüchter und Maisanbauer ist es daher weiterhin wichtig, ein waches Auge auch auf Entwicklungen in der Tierzüchtung, der Tierhaltung und dem näheren Umfeld der Tierproduktion zu werfen. Gerade in der Tierzüchtung ergeben sich im Zusammenhang mit der modernen Molekulargenetik neue, praxisrelevante Ansätze. So wurden bereits große Erfolge bei der Eliminierung bestimmter Erbfehler bzw. bei auftretenden Anomalien erzielt. Allerdings heißt in der Tierzüchtung der neue Terminus „Marker-unterstützte Zuchtwertschätzung“, d.h. molekulargenetische Informationen werden unmittelbar in den bisherigen mathematisch-statistischen Verfahren berücksichtigt.

 

Neben diesen methodischen Fortschritten möchte ich vor allem aber als außerordentlich bedeutsam herausstellen, dass auch das Zuchtziel in der Rinder- und Schweineproduktion jeweils eine starke Differenzierung erfährt. So ist eindeutig erkennbar, dass nicht allein die Verbesserung der Leistung sondern vielmehr verstärkt die Stabilisierung der bereits erzielten Leistung im Vordergrund steht. Dazu gehört die Bearbeitung der multifaktoriellen Parameter wie Gesundheit, Fruchtbarkeit oder Robustheit unserer landwirtschaftlichen Nutztiere. Aber auch in den Bereichen Fütterung, Haltung oder Herdenmanagement wird der Erfolg immer mehr an einer Leistungsstabilisierung, nicht unbedingt an der weiteren Leistungssteigerung gemessen! Dies ist umso notwendiger, da sich in der Praxis neue Problemfelder auftun. Als ein Beispiel sei nur die zunehmend geringere Nutzungsdauer unserer Milchkühe genannt. Hier spiegeln sich letztlich die komplexen Zusammenhänge zwischen den Stoffwechselerfordernissen von Hochleistungskühen und den Unzulänglichkeiten in Fütterung, Haltung, Management u.a. wider.

 

Auch darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Akzeptanz einer modernen Tierproduktion in der Bevölkerung vorrangig von Themen wie Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere oder von einer qualitätsorientierten, umweltfreundlichen Erzeugung tierischer Nahrungsmittel bestimmt wird. Der Verbraucher zeigt dabei vermehrt Interesse, woher letztlich sein Stück Fleisch kommt. Dies wird – auch in Verbindung mit einem Risikomanagement – unter dem Begriff der „Rückverfolgbarkeit“ zusammengefasst. Auf diesem Gebiet ergeben sich in Verbindung mit der Molekulargenetik ebenfalls neue, zukunftsweisende Ansätze!

 

Fortschritte in Tierzüchtung und Tierhaltung bedeuten heute mehr denn je, die physiologischen Gegebenheiten der leistungsorientierten Tierproduktion stärker zu berücksichtigen. Allerdings richtet sich im Augenblick die ganze Aufmerksamkeit auf ein neues Spannungsfeld, das sich aufgrund von dramatisch steigenden Futtermittelpreisen und sich nur allmählich verbessernden Produktpreisen auftut. Mais wird aber als eines der wichtigsten Futtermittel – entweder als Silomais oder als CCM oder Körnermais – weiterhin aufgrund des hohen Energiegehaltes bzw. des insgesamt überragenden Futterwertes eine zentrale Rolle einnehmen. Die steigenden Futtermittelpreise werden allerdings zu noch mehr Sorgfalt bei der Produktion von Maissilage, bei dem Einsatz von Kraftfutter (z.B. Körnermais), aber auch beim Management der Tierbestände führen.

 

Prof. Dr. Frieder J. Schwarz, TU München, Department für Tierwissenschaften, Bereich Tierernährung, 85354 Freising, Tel.: 08161-713696, Fax: 08161-7135367, E-mail: schwarzf@wzw.tum.de

Zitat: „Fortschritte in Tierzüchtung und Tierhaltung bedeuten heute mehr denn je, die physiologischen Gegebenheiten der leistungsorientierten Tierproduktion stärker zu berücksichtigen.“

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