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Kommentar der Ausgabe 03/07

FIT FÜR DIE ZUKUNFT - MAISBAU IN NEUEM RAHMEN

Norbert Lütke Entrup, Soest

Die im Dezember 2000 in Kraft getretene Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) stellt einen Ordnungsrahmen dar und hat innerhalb der Europäischen Union erstmals eine einheitliche und länderübergreifende Bewirtschaftung der Gewässer zum Ziel. Sie markiert einen Richtungswechsel in der europäischen Wasserpolitik. Im Vordergrund steht der ganzheitliche, ökologisch orientierte Umgang mit der Ressource Wasser, die kleinräumige, nutzungsorientierte Gewässerbewirtschaftung wird aufgegeben.

Alle Gewässerformen sollen, möglichst wenig durch Chemikalien belastet, in einen guten ökologischen und mengenmäßigen Zustand gebracht und gehalten werden. Alle Staaten der EU sind verpflichtet, ihre Gewässer zu schützen, zu sanieren und zu verbessern. Nach der Umsetzung der EG-WRRL in deutsches Recht war die Bestandsaufnahme 2004 der erste wichtige Schritt in einem mehrstufigen Prozess der Zielerreichung der Richtlinie zum Jahre 2015. Da der Wasserschutz länder- und staatenübergreifend organisiert werden muss, wurden für die Bestandsaufnahme Flussgebietseinheiten geschaffen (z. B. Donau, Rhein, Weser, Elbe u. a.) und Teileinzugsgebiete ausgewiesen.

Die Ergebnisse der Bundesländer lassen sich wie folgt zusammenfassen (BMU 2005):

Oberflächengewässer:

Von den bewerteten Wasserkörpern

 

-

erreichen 14 Prozent wahrscheinlich die Umweltziele

 

-

bestehen bei 26 Prozent Unsicherheiten werden etwa 60 Prozent die Umweltziele ohne weitere Maßnahmen nicht erreichen.

 

 

 

Grundwasser:

Von den bewerteten Wasserkörpern

 

-

erreichen wahrscheinlich 47 Prozent die Umweltziele

 

-

werden etwa 53 Prozent die Umweltziele ohne weitere Maßnahmen nicht erreichen.

 

Bei den Oberflächengewässern sind es neben den morphologischen Gewässerstrukturen und Querbauwerken vor allem die diffusen Nährstoffeinträge und stoffliche Belastungen aus Kläranlagen und der Niederschlagsentwässerung, die den guten ökologischen und chemischen Zustand beeinträchtigen und in Seen ein verstärktes Algenwachstum verursachen. Beim Grundwasser – dieses liefert rund 75 Prozent des Trinkwassers – ist nur bei etwa fünf Prozent der bewerteten Wasserkörper der mengenmäßige Zustand zu beanstanden; bedeutsam sind Mängel in der chemischen Qualität (52 Prozent der Grundwasserkörper). Hauptbelastung sind Nährstoffeinträge (bes. Nitrat) von landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Der Zeitplan der WRRL sieht bis Ende 2006 die Erarbeitung von Überwachungsprogrammen, bis Ende 2009 das Aufstellen und bis Ende 2012 das Umsetzen der Maßnahmenprogramme vor. In Nordrhein-Westfalen ist dafür ein landwirtschaftlicher Maßnahmenkatalog mit 120 Vorschlägen und den Schwerpunkten (1) Nährstoffversorgung der Böden und Wirtschaftsdünger, (2) Nach-Ernte-Management, (3) Stallhaltung/Fütterung, Güllelagerung/-ausbringung, (4) Umgang mit Pflanzenschutzmitteln, (5) Beratung/Ausbildung entwickelt worden.

Nach diesen und anderen Maßnahmenprogrammen rollt auf die Landwirtschaft eine Lawine von Umweltmaßnahmen zu. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig darauf einzustellen und im Vorfeld Strategien zu ergreifen, um Gewässerbelastungen zu vermeiden. Dazu ist es notwendig, die Eintragspfade von Nährstoffen in die Gewässer zu kennen. Die Gesamtemissionen an Stickstoff lagen im Zeitraum 1998 bis 2000 bei 688 kt/a und verminderten sich im Verlauf von circa 15 Jahren um 400 kt/a. Diese Verringerung wurde vorwiegend durch den Rückgang der Emissionen aus Punktquellen (z. B. kommunale Kläranlagen) erreicht, während bei den diffusen Quellen nur 15 Prozent erzielt wurden. Der Eintrag über das Grundwasser ist der wichtigste Eintragspfad in die Oberflächengewässer und wird damit von der landwirtschaftlichen Flächennutzung bestimmt. Die Phosphor-Emissionen betragen für den gleichen Zeitraum 33 kt/a und wurden um 59 kt/a (64 Prozent) reduziert, vor allem aus Punktquellen (86 Prozent).

Die Verringerung aus diffusen Quellen beträgt dagegen nur 13 Prozent. Der wichtigste Eintragspfad in die Oberflächengewässer ist die Bodenerosion und der Oberflächenabfluss.
Emissionen an Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässer erfolgen in einem Umfang von circa 30 t/a, etwa 0,1 Prozent der angewandten Mengen. Dabei handelt es sich meist um Herbizide. Eintragspfade sind zu etwa gleichen Teilen der Oberflächenabfluss und Hofabläufe, allerdings mit starken regionalen Differenzierungen. Für alle Pflanzenschutzmittel im Grundwasser gilt der Grenzwert von 0,1 µg/l, ab 0,5 µg/l wird von einer potentiellen Gefährdung ausgegangen. Trotz dieser niedrigen Zielwerte sind landwirtschaftliche Probleme nur in wenigen Grundwasserkörpern gegeben.

Im landwirtschaftlichen Pflanzenbau sind verschiedene gesetzliche Regelwerke zu beachten, um den Zielen der guten landwirtschaftlichen Praxis zu entsprechen. Die Beschränkung des Einsatzes von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft soll diese vor allem in ihrer Langzeitwirkung schwer einzuschätzenden Düngerformen begrenzen, Sperrzeiten sollen die winterliche Auswaschungsperiode berücksichtigen, die flächenbezogenen N-Überhänge werden in den nächsten Jahren auf 60 kg/ha N begrenzt. Phosphatausträge können wirksam über die konservierende Bodenbearbeitung und den dadurch bewirkten Oberflächenabfluss und Erosionsschutz reduziert werden.

Das „Potential der Umweltgefährdung“ durch landwirtschaftliche Kulturpflanzen ist differenziert zu betrachten. Neben Kulturen mit sehr hohen Stickstoffansprüchen (Raps, Feldgemüse u. a.) sowie mit hinsichtlich der Bilanz ausgeglichenen Anforderungen (Getreide, Körnermais, Feldfutterbau, Gräser) gibt es Kulturen, die bei optimierten Düngestrategien mit negativen Bilanzen (Silomais, Energiemais, Futterzwischenfrüchten u. a.) angebaut werden können. Mais wird diesbezüglich häufig falsch eingeschätzt. Durch die konservierende Bodenbearbeitung in Zwischenfrucht- oder Strohmulch wird der Oberflächenabfluss (PSM, P) verringert und der Erosionsschutz (Verringerung P-Abtrag) gewährleistet.

Außerdem handelt es sich bei Mais um die Kultur mit dem geringsten PSM-Behandlungsindex, da fast nur Herbizide eingesetzt werden. Aus diesen Blickwinkeln betrachtet ist Mais – richtig angebaut – eine Idealpflanze für den Gewässerschutz und entspricht dann den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie.

Prof. Dr. Norbert Lütke Entrup, Fachhochschule Südwestfalen, 59494 Soest, Tel.: 02921-378218, Fax: 02921-378-200, E-Mail: luetke-entrup@fh-swf.de

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