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Kommentar der Ausgabe 03/05

MAISTROCKNUNG UNTER KOSTENDRUCK - WO LIEGEN MÖGLICHE AUSWEGE?


Jürgen Heinrich, Halle

 

Die alte Volksweisheit: „Auswege gibt es immer, es kommt nur darauf an, sie zu finden!“ kam mir in den Sinn, als ich mich vor kurzem mit einem Landwirt über das Thema Körnermaistrocknung unterhielt. Er meinte: „Wir trocknen nicht mehr, wir haben uns mit unserem Abnehmer auf die Bereitstellung von Corn-Cob-Mix geeinigt.“ Auf diese Idee werden wohl bei den exorbitant gestiegenen Heizölpreisen zwischenzeitlich viele Landwirte gekommen sein, zumal die Körnermaispreise der ablaufenden Saison keinen Anlass zu ökonomischem Übermut gegeben haben.

Also wird da, wo es sich anbietet, wieder verstärkt über Ausweichstrategien jenseits der teueren (Lohn-)Trocknung nachgedacht. Neben CCM stehen verschiedene Konservierungsverfahren für den Feuchtmais zur Diskussion. Eine solche „Ausweichroute“ können in aller Regel nur die Landwirte fahren, die nicht über eigene Trocknungskapazität verfügen und die ihren Mais in der eigenen Veredlung einsetzen bzw. an Veredlungsbetriebe abgeben.

Für Landwirte ohne eigene Trocknung, die weiterhin Körnermais als trockenes Korn vermarkten müssen, gehören die bisher genutzten Möglichkeiten der Fremdtrocknung speziell auch in Gemeinschaftsanlagen auf den Prüfstand, alle Möglichkeiten der Kosteneinsparung (z.B. Kostendegression durch höhere Auslastung) sollten diskutiert und realisiert werden.

Wer über eine eigene Trocknung verfügt, kann die genannten Alternativen leider nicht so leicht wählen. Hier kommt es darauf an, wie gut er - vielleicht schon vor einigen Jahren - seine Entscheidung für die eigene Trocknung vorbereitet hat. Denn für die tatsächlichen Trocknungskosten kommt den Investitionen eine herausragende Rolle zu, erst dann folgen die Energiekosten. Wer also in der Vergangenheit detailliert darüber nachgedacht hat, was er sich an Investitionen leisten kann, der wird heute durch vergleichsweise niedrige Fixkosten belohnt. Dazu kommt der Aspekt der Anlagengröße. Vorausgesetzt, die vorhandene Kapazität wird auch genutzt, dann ergeben sich bei allen gängigen Trocknungsverfahren mit zunehmender Anlagengröße auch Kostendegressionen.

Die von einigen Landwirten in Erwägung gezogene Option, weniger zu trocknen, also die Anlagenkapazität nur anteilig zu nutzen, hat zur Folge, dass die Stückkosten je dt Körnermais erheblich ansteigen. Hier lässt sich der Teufel nur mit dem Belzebub austreiben und das heißt, nach einer möglichst hohen Trocknerauslastung zu streben, um die höheren Energiekosten durch geringere Festkosten wenigstens anteilig zu kompensieren.

Auch die Qualifikation des Bedienpersonals darf nicht vernachlässigt werden. Untersuchungen des Rationalisierungs-Kuratoriums für Landwirtschaft (RKL) haben z. B. gezeigt, dass der Energieverbrauch identischer Trocknungsanlagen durch den Einfluss der Bedienungsperson um bis zu 40 Prozent schwanken kann! Dieses erhebliche Einsparpotenzial gilt es gezielt zu nutzen. Das kann unterstützt werden durch Nachrüstung mit moderner Regelungs- und Überwachungstechnik, die eine angemessene Trocknerregelung und damit einen optimierten Trocknungsvorgang sichert. Ein energieaufwendiges „Übertrocknen“ wird damit weitestgehend vermieden.

Nicht zuletzt sollte der Landwirt aber schon durch anbautechnische Maßnahmen während der Vegetation Einfluss auf den erforderlichen Umfang der Trocknung nehmen. Wenn er alle ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten nutzt, um ausgereiften Körnermais mit möglichst wenig Fremdbesatz in die Trocknungsanlage zu bringen, kann energieeffizient getrocknet werden.

 

Dr. Jürgen Heinrich, Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg, Tel.: 0345-5522370, Fax: 0345-5527110, Email: heinrich@landw.uni-halle.de.

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