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Kommentar der Ausgabe 02/09

DIABROTICA IN DEUTSCHLAND - NOCH AUSROTTBAR?

 

Georg F. Backhaus, Quedlinburg

 

Der Anbau von Mais wird in der Öffentlichkeit auch wegen der Pflanzenschutzmaßnahmen oft kritisiert, obwohl sich der Maisanbau im Vergleich zu den meisten ackerbaulichen Kulturen durch eine deutlich geringere Zahl der Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln auszeichnet. Dies könnte sich aber mit dem zunehmenden Auftreten des Westlichen Maiswurzelbohrers, Diabrotica virgifera virgifera, ändern, der möglicherweise nun wohl endgültig begonnen hat, sich in Deutschland festzusetzen.

Der Westliche Maiswurzelbohrer ist weltweit gesehen der bedeutendste Maisschädling im intensiven Maisanbau und steht zurzeit in Europa noch unter Quarantäne. Das bedeutet, dass beim Auftreten des Käfers geeignete Eradikations- oder Eingrenzungsmaßnahmen durchgeführt werden müssen. So wurde im Frühjahr 2008 als eine der Maßnahmen hauptsächlich in Süddeutschland Saatgut ausgesät, das u. a. mit Insektiziden gegen diesen Schadorganismus behandelt worden war. Der teilweise Abrieb des Beizmittels führte in Verbindung mit ungünstigen Witterungskonstellationen während und nach der Aussaat des Maises zu einem massiven Bienensterben. Ursache war die Freisetzung erheblicher Mengen von Wirkstoff-haltigen Stäuben. Deshalb schlossen sich in der Folge aufwändige Analysen, Untersuchungen und Entwicklungen an, von denen viele noch nicht abgeschlossen werden konnten.

Die Diskussion um die Saatgutbehandlungsmittel hat über die Diabroticaproblematik hinaus teilweise erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Maisanbau, da sie zu einem Engpass bei der Verfügbarkeit von Saatgutbehandungsmitteln zur Abwehr von Vogelfraß, Fritfliege und Drahtwurm geführt hat. Die Saatgutbehandlung von Mais und die Sätechnik müsse entsprechend optimiert werden, damit so wenig wie möglich Abriebstäube in die Umwelt gelangen. Nur dank schneller und konstruktiver Zusammenarbeit der Landes- und Bundesbehörden, der Maschinenindustrie, der Maiszüchtungsunternehmen, des DMK und der Pflanzenschutzindustrie ist es 2008 gelungen, Veränderung in der Beiz- und Sätechnik zu erzielen, die zumindest die Mesurol-Beizung wieder für eine Nutzung in 2009 ermöglicht haben. Weitere Anstrengungen sind dringend notwendig, um zukünftig auch wieder Saatgutbehandlungen gegen Bodenschädlinge zu ermöglichen.

Das weitere Vordringen des Westlichen Maiswurzelbohrers (Diabrotica virgifera virgifera) in Bayern und Wiederfunde in Baden-Württemberg selbst haben im Jahr 2008 erhebliche Aufregungen verursacht. In Bayern wurden die Käfer an so vielen Standorten gefunden, dass eine Ausrottung nicht mehr möglich erschien. In den betroffenen Regionen wird der Käfer nun über geeignete Maßnahmen eingegrenzt, während er in Baden-Württemberg noch ausrottbar erscheint. Die Pflanzenschutzmaßnahmen gegen die Larven der Käfer werden durch den Wegfall der wirksamen Saatgutbehandlungen in den Regionen, in denen aus wirtschaftlichen Gründen eine Fruchtfolge nur bedingt wirtschaftlich zumutbar ist, deutlich erschwert. Auf Grund der Genehmigung des Granulates „Force 1.5 G“ durch das BVL hat sich die Lage aber dort, wo die technischen Möglichkeiten für die Anwendung bestehen, etwas entspannt. Genehmigungen werden während des Sommers auch für Spritzmittel gegen die Käfer selbst benötigt. Für das Jahr 2009 ist auch „Invite“ als Zusatzstoff im Vertrieb, so dass der Insektizideinsatz nach der Genehmigung dafür geeigneter Insektizide, in Kombination mit „Invite“ deutlich (um bis zu 90 Prozent) reduziert werden könnte. Solche Entwicklungen zu geringem Mittelaufwand sind sehr viel akzeptabler für die Öffentlichkeit und entsprechen dem politischen Willen zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln.

Der Westliche Maiswurzelbohrer wird sich zukünftig sicherlich weiter ausbreiten, jedoch ist die Verlangsamung der Ausbreitung durch die vorgesehenen Maßnahmen sinnvoll und spart insgesamt erhebliche Kosten. Trotzdem ist, wenn man die Bedeutung des Käfers für den Maisanbau insgesamt bewerten will, folgendes zu beachten: Erhebliche Schäden treten grundsätzlich nur bei Maisanbau ohne Fruchtfolge auf. Bei einem Anbau von 66 Prozent Mais in der Fruchtfolge sind Schäden nicht zu erwarten und es müssen auch keine akuten chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen ergriffen werden. Dies gilt aber nur, wenn die Käferdichte nicht regional durch den Anbau von Mais in Monokultur zu sehr gefördert wird. Erfahrungen aus Ungarn haben gezeigt, dass bei hoher Käferdichte in Regionen mit hohem Maismonokulturanteil der Mais schon im zweiten Standjahr geschädigt werden kann. Dem Landwirt stehen also grundsätzlich durchaus integrierte Maßnahmen zur Verfügung, um weiterhin Mais ohne erhöhten Pflanzenschutzmittelaufwand anzubauen.

Zusätzlich haben sowohl die Bundesregierung (BMELV) als auch das Land Bayern für die nächsten drei Jahre nennenswerte Summen für Forschungsprojekte bereitgestellt, die einer besseren Beurteilung der Bedeutung von Diabrotica virgifera für den deutschen Maisanbau, einer Verbesserung der Ausrottungs- und Eingrenzungsmaßnahmen sowie der Einführung von Prognosesystemen und von integrierten Bekämpfungsmaßnahmen dienen sollen.


Zitat:Der Westliche Maiswurzelbohrer wird sich zukünftig sicherlich weiter ausbreiten, jedoch ist die Verlangsamung der Ausbreitung durch die vorgesehenen Maßnahmen sinnvoll und spart insgesamt erhebliche Kosten.


Präsident und Prof. Dr. Georg F. Backhaus, Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, 06484 Quedlinburg, Tel.: 033203-48276, E-Mail: georg.backhaus@jki.bund.de

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