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Kommentar der Ausgabe 02/06

TOP-SOLARANLAGEN FÜR TOP-BIOGASERTRÄGE

 

Markus Ott, Freising

 

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist wie kaum ein anderes drauf und dran, die Landwirtschaft zu verändern. Es regelt die garantierten Mindestpreise für Strom aus Biogas und eröffnet der Landwirtschaft dadurch einen völlig neuen Absatzmarkt. Im Mittelpunkt steht dabei der „NaWaRo-Bonus“, der als Vergütungsaufschlag die Produktionskosten für Energiepflanzen gesondert berücksichtigt. Durch den Einsatz des Fachverbandes Biogas wurde Biogas endlich auch ohne die Kofermentation von Bioabfällen wirtschaftlich rentabel. „Vom Landwirt zum Energiewirt“ ist seither ein geflügeltes Wort in der Branche. In 2005 wurden über 700 Biogasanlagen neu errichtet, Alt- Anlagen wurden erweitert und für den Einsatz von Energiepflanzen umgerüstet. Insgesamt wurden 650 Millionen Euro in den Anlagenbau investiert. Dass inzwischen in 80 Prozent der Biogasanlagen Maissilage eingesetzt wird, hängt vor allem mit den hohen Massenerträgen und dem damit gekoppelten Biogasertrag der Pflanze zusammen. Mit dem Biogas von einem Hektar Mais kann ein Erdgas-PKW 70.000 km fahren! Außerdem zeichnet sich Mais durch eine gute Verdaulichkeit für die Biogas-Bakterien aus. Saatgut-Anbieter haben sich bereits auf den neuen Markt eingestellt und bieten optimierte Sorten an.

Bedingt durch die Kostenstruktur von Biogasanlagen machen die Kosten für Energiepflanzen bis zu 40 Prozent der jährlichen Kosten aus. Die richtige Kalkulation und das optimale Management der Einsatzstoffe entscheiden deshalb über Erfolg und Scheitern des Projektes. Es reicht also nicht, nur einzelne Faktoren wie den Masseertrag je Hektar, die Produktionskosten frei Anlage oder die Pachtkosten zu betrachten. Die gesamte Kette vom Acker bis zum Trafo muss funktionieren. Wer das als Betreiber nicht beherzigt, wird schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.

Der beste Mais nutzt nichts, wenn er nicht mit hoher Qualität in die Biogasanlage gelangt. Die Biogasanlage wird zu Recht mit einem Kuhmagen verglichen, weshalb die anerkannten Regeln der fachgerechten Futterkonservierung im Milchviehbereich auch auf Biogas übertragen werden können. Aber es bauen eben nicht nur Milchproduzenten Biogasanlagen und der überhitzte Markt lässt offenbar einige Regeln in Vergessenheit geraten. Trotzdem gilt: Top-Silage bedeutet Top-Biogasertrag. Voraussetzungen dafür sind eine ausreichende Vergärbarkeit, eine optimale Pufferkapazität des Ernteguts, eine kurze Häcksellänge, eine gute Verdichtung und eine vernünftige Abdeckung. Biogas-Mais wird deshalb zu einem Zeitpunkt geerntet, der einen hohen TS-Gehalt bei gleichzeitig noch guter Vergärbarkeit verspricht, in der Regel mit 28 bis 32 Prozent TS. Wer seine Maissilage nicht einkauft, sollte also auf ein optimales Ernte-Management achten, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Das hält auch die Verluste durch Fehlgärung, Schimmel oder Silagesaft niedrig. Eine saubere Arbeit am Silo reduziert übrigens auch Geruchsemissionen und bringt so wichtige Nebennutzen wie Akzeptanz und positives Image in der Öffentlichkeit mit sich.

Allerdings wäre eine einseitige Konzentration auf Mais als Biogas-Pflanze falsch. Natürlich bleibt Pflanzenbau eine Standortfrage. Auch Roggen als Ganzpflanzensilage, Getreide, Rüben oder Welsches Weidelgras kommen zum Einsatz. Faktoren wie Wasserbedarf, Nährstoffe und Humusbilanz werden im Zusammenhang mit Biogas noch zu wenig thematisiert. Auch wirtschaftliche Gründe können für den Einsatz anderer Pflanzen sprechen. Aus der Sicht des Betreibers kommt es auf den Gesamtjahresertrag je Hektar an.

Außerdem: Wenn Umweltschutzverbände vor einem hohen Maisanteil in der Fruchtfolge warnen und Anwohner die vermeintliche Monokultur als Belastung empfinden, dann muss die Branche reagieren. Ihr politisches Gewicht hängt vom immer noch hohen positiven Image ab. Es wäre fatal, wenn die Biogas-Branche den gleichen Fehler machen würde wie die Windenergie und die Bedenken der Bevölkerung nicht rechtzeitig entkräftet.

Deshalb arbeiten Pflanzenzüchter und Forschungseinrichtungen bundesweit mit Hochdruck an geeigneten Sorten, optimalen Fruchtfolgen und handhabbaren Mischkulturen. Das gemeinsame Ziel ist die arbeitswirtschaftlich und standortbezogen optimale Rezeptur zur Fütterung der Biogasanlagen. Es lohnt sich also für jeden Betreiber, sich auf dem Laufenden zu halten.

Zitat: Die gesamte Kette vom Acker bis zum Trafo muss funktionieren. Wer das als Betreiber nicht beherzigt, wird schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.

 

Markus Ott, stellv. Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas e.V., Angerbrunnenstr. 12, D-85356 Freising, Tel.: 08161-98 46 60, Fax: 08161-98 46 70, E-mail: info@biogas.org


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