Hier geht es zur DMK-Startseite

A

A

A

Kommentar der Ausgabe 01/09

MAISANBAU - NACHHALTIG UND LANGFRISTIG RENTABEL

 

Christian Gienapp, Gülzow

 

Ein Aufatmen setzte in den Landwirtschaftsbetrieben ein, als 2007 das Preisniveau für Ag-rarprodukte deutlich zulegte. Mit Preissteigerungen bis zu 200 Prozent war die Rentabilität und Liquidität einzelner Betriebszweige und Produktionslinien gesichert und das auch bei ange-stiegenen Energiepreisen und Kürzungen der Betriebsprämien. Heute ist von den wirtschaftlichen Vorteilen nicht mehr viel übrig geblieben. Zwar sind die Preise für die Agrarprodukte höher als 2006, aber die Landwirte haben deutlich höhere Kosten zu tragen. Es sind nicht nur die Preise für Energie und Treibstoffe gestiegen, sondern auch die der wesentlichen Betriebsmittel.

Durch das Arbeiten unter freiem Himmel unterscheidet sich die Agrarproduktion wesentlich von den anderen Wirtschaftszweigen. Witterungsextreme, unterschiedliche Standortbonität, schwankende Naturalerträge und nicht selten auch die Erfüllung von überzogenen Umweltstandards erschweren die Produktion und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg. Neue finanzielle Belastungen stehen bei den Landwirten vor der Tür, wenn wir an die Klimaveränderungen in den nächsten Jahrzehnten denken. Notwendige Anpassungsstrategien im Bereich der Produktion, des Erosionsschutzes, Silomanagements, der Klimatisierung von Haltungssystemen um nur einige zu nennen, wird es nicht zum Nulltarif geben. Wie sollen die Unternehmen zukünftig mit diesen Kosten zurechtkommen?

Der Landwirt führt eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben durch – er versorgt die Menschen mit Mitteln zum Leben – den Lebensmitteln. Gleichzeitig erhält und pflegt der Landwirt noch zusätzlich den größten Teil unserer Natur- und Kulturlandschaft, wofür bisher keine Entlohnung erfolgte. Dies könnte sich mit dem Wegfall der Betriebsprämien nach 2013 grundlegend ändern. Neue Kriterien werden eine Rolle spielen und die Multifunktionalität der Landwirtschaft unterstreichen. Deshalb sind Landwirtschaftsunternehmen gut beraten, sich bereits heute auf diesen Prozess einzustellen. Nur erfolgreiche und existenzsichere Unternehmen können die Chancen nutzen, in wertschöpfungsreiche Produktionslinien und Absatzmärkte profitabel zu investieren. Für die Landwirtschaft ergeben sich aus der globalen Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Einerseits muss eine mehrjährige, nicht kostendeckende Agrarproduktion umgesteuert werden. Hier ist besonders die Politik gefordert. Andererseits muss der Landwirt selbst in seinem Unternehmen, in den jeweiligen Produktionsverfahren prüfen, wo er Kosten sparen kann, ohne Ertragseinbußen hinnehmen zu müssen. Der Mais mit seinen Verwendungszwecken Nahrung, Futter und Bioenergie bietet hierfür gute Ansatzpunkte. Vorrangiges Ziel muss es sein, das Verhältnis von Aufwand und Nutzen wesentlich zu verbessern. Das erfordert, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wie z.B. Bestandesführung, Sortenwahl und Verlustsenkung die Erträge und Leistungen deutlich zu steigern.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Entwicklungen einzelner Verfahrensabschnitte können entscheidend dazu beitragen. Die bereits praxisrelevanten Maßnahmen wie die nicht wendende Bodenbearbeitung, bewährte Düngungs- und Pflanzenschutzstrategien und verlustarme Erntemethoden sind zunehmend auf die Verringerung der Arbeitserledigungskosten auszurichten. So können z.B. die variablen Maschinenkosten beim Übergang vom Pflug zum Grubber auf geeigneten Standorten um 80 bis 100 Euro/ha deutlich gesenkt werden. Bei der Bemessung der Mineraldüngung sind die Ernterückstände unbedingt in den Nährstoffkreislauf einzubeziehen. Stroh ist ein wertvoller Nährstofflieferant. So liefern 75 Dezitonnen Stroh bis zu 130 kg K2O und 25 kg P2O5. In die Überlegungen sollten aber auch solche Faktoren einbezogen werden, die durch die Natur „geliefert“ und uns kostenfrei zur Verfügung stehen. Nennen wir sie „Gratisfaktoren der Natur“. Dazu gehört, die verfügbare Vegetationszeit besser auszunutzen (Zweitkultursystem), die erhöhte Temperatursumme in der Produktion auf neue Marktnischen auszurichten und Fruchtfolgeeffekte zu berücksichtigen bzw. überhaupt zu beachten. Die Einengung der Fruchtfolge unter den heutigen Marktbedingungen (Raps, Winterweizen, Wintergerste) und Mais als Futter oder Biomasse verlangen im Sinne der Nachhaltigkeit die Auflockerung der Fruchtfolge. Dabei sollte man sich im Zuge der Biomasseproduktion auch an solche Pflanzenarten erinnern, die heute gar nicht mehr im Anbau sind. Mehrerträge von 3 dt/ha und die Erhöhung der direktkostenfreien Leistungen bis zu 120 Euro/ha (Raps/Weizen) konnten bei Einhaltung der realisierbaren Fruchtfolgemaßnahmen in Referenzbetrieben erzielt werden.

An dieser Stelle ist im Zusammenhang mit der umfangreichen Abfuhr von Biomasse von unseren Ackerböden auf die unbedingte Einhaltung der Bodenfruchtbarkeit zu verweisen. Schlagbezogene Humusbilanzen müssen in jedem Landwirtschaftsbetrieb die Regel sein. Positive Bilanzen sichern die Ertragsstabilität und garantieren langfristig „reiche Väter und reiche Söhne“. Der Zwischenfruchtanbau und die Erhöhung der Biodiversität in den Fruchtfolgen können dazu beitragen, langfristig die Bodenfruchtbarkeit zu wahren.


Zitat:Für die Landwirtschaft ergeben sich aus der globalen Entwicklung weitreichende Konsequenzen.


Prof. Dr. Dr. habil. Christian Gienapp, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei, 18276 Gülzow, Tel.: 03843-789200, Fax: 03843-789111, E-Mail: c.gienapp@lfa.mvnet.de

Sie befinden sich hier: Service Zeitschrift Mais Ausgabe 01/09Kommentar