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Kommentar der Ausgabe 01/08

MILCHERZEUGUNG IM AUFWIND

 

Martin Pries, Münster

 

Die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Milcherzeuger haben sich im Jahr 2007 deutlich zum Positiven verändert. Milchpreise von um die 40 Cent/kg für die zweite Jahreshälfte hatte vor Jahresfrist niemand erwartet. Aufgrund der bestehenden Handelsverträge wird zumindest für die ersten sechs Monate in 2008 ein stabiles Preishoch vorausgesagt. Wegen des steigenden Verbrauchs von Milch und Milchprodukten weltweit sehen die meisten Marktanalysten auch mittelfristig eher stabile Milchpreise voraus.

 

Den gestiegenen Milcherlösen stehen jedoch auch deutlich erhöhte Produktionskosten gegenüber. Deutliche Anstiege sind bei den Energie- und Futtermittelkosten festzustellen. Kraftfutterpreise haben sich gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent erhöht. Im Durchschnitt verteuert dies die Produktion um mehr als zwei Cent pro kg Milch. Die Auswirkungen der gestiegenen Kraftfutterpreise sind aber nicht für alle Milcherzeuger gleich. In Betrieben mit überdurchschnittlichen Milchleistungen und einer hohen Grobfutterleistung steigen die Kraftfutterkosten nur um gut einen Cent pro kg Milch. Bei geringeren Leistungen und hohem Kraftfuttereinsatz ergeben sich hingegen Kostensteigerungen um vier bis fünf Cent pro kg Milch. Hieraus leitet sich folgende Strategie für die Milchproduktion ab: Erfolgreich wird der sein, der Milchleistungen oberhalb von 8.500 kg pro Kuh und Jahr erzielt und etwa 50 Prozent der Milch aus dem Grobfutter produziert.

 

Fast alle Milchkuhrationen enthalten Maisprodukte in mehr oder weniger hohen Anteilen. Maisanbau konkurriert grundsätzlich mit dem Getreidebau. Steigende Getreidepreise verteuern die Maisfütterung wegen deutlich gestiegener Nutzungskosten. In Relation zum Weizen ist der Vergleichspreis frei Trog für Silomais von 3,50 Euro/dt auf jetzt aktuell über 5,00 Euro/dt gestiegen. Milchproduktion auf Ackerbaustandorten verlangt deshalb eine hohe Intensität und Futtereffizienz. Gunststandorte für eine Weiterentwicklung der Milchproduktion sind deshalb vor allem Grünlandregionen mit geringen Chancen zur alternativen Nutzung der Fläche. Dies sind in Europa vor allem die Küstenregionen und die Grünland dominierten Höhengebiete. Silomaisanbau auf Grenzstandorten wird uns zukünftig häufiger beschäftigen, da viele Milchviehhalter auf die Vorzüge von Maisprodukten in der Fütterung nicht verzichten wollen.

 

Hohe Milchleistungen und eine gute Futtereffizienz erfordern höchste Futterqualitäten. Im Bereich des Grobfutters konnten in den letzten 20 Jahren deutliche Fortschritte erzielt werden. So erhöhte sich bis heute der Energiegehalt von Gras- und Maissilage um etwa 0,5 MJ NEL/kg Trockenmasse im Vergleich zum Beginn der achtziger Jahre. Die hohen Futtermittelpreise müssen hier zu weiteren Anstrengungen animieren. Aussaatstärke und Düngung im Maisanbau, Narbenpflege und Schnittzeitfestlegung beim Grünland und Züchtungsmaßnahmen sind nur einige wenige Bereiche, die es zukünftig weiter zu optimieren gilt. In der Silagelagerung und dem Silomietenmanagement besteht ebenfalls ein großes Potential zur Steigerung der Futterqualität.

Eine zukünftig größere Bedeutung der Futterqualität, insbesondere die des Grobfutters, erfordert zunehmend verbesserte Methoden der Qualitätsbewertung. Vor diesem Hintergrund sind die gerade verabschiedeten neuen Energieschätzgleichungen für Gras- und Maisprodukte nur zu begrüßen. Die verbindliche Anwendung dieser neuen Gleichungen ist im Verband der LUFEN zur Futterernte 2008 vereinbart.

 

Auch die bei der DLG neu eingerichtete Futtermitteldatenbank wird sich zu einem wichtigen und unverzichtbaren Instrumentarium für die Futtermittelwirtschaft und für die Fütterungsberatung entwickeln. Die umfassende Dokumentation der Nährstoffgehalte ist für Grob- und Kraftfutter gleichermaßen wichtig. Das sehr variabel aufgebaute System erlaubt es, Änderungen in den Bewertungskriterien und bei den Berechnungsvorgaben schnell anzupassen, wodurch das System stets aktuell gehalten werden kann. Wie jede Datenbank lebt auch die Futtermitteldatenbank von der Interaktion der Datenlieferanten mit den Datennutzern. Gerade diejenigen Einrichtungen und Institutionen, die über Daten aus Verdauungsversuchen verfügen, sollten ihre Ergebnisse der Datenbank zur Verfügung stellen. Nur so werden sich die Fortschritte in Züchtung und Produktionstechnik in den Ergebnissen der Futtermittelbewertung widerspiegeln.

 

Flächen für den Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln sowie für die Produktion regenerativer Energien sind nicht vermehrbar und entwickeln sich bei einer wachsenden Weltbevölkerung zum knappsten aller Produktionsfaktoren. Zukünftig werden sich solche Fütterungssysteme etablieren, die die höchste Futtereffizienz aufweisen. Kriterien wie Milchmenge je kg eingesetzter Futtertrockenmasse oder Aufwand an MJ NEL je kg Milch werden zunehmend Bedeutung erlangen. Hierauf müssen sich alle an Futter- und Milchproduktion Beteiligten einstellen.

Dr. Martin Pries, Landwirtschaftskammer NRW, 48147 Münster, Tel.: 0251-2376-913, Fax: 0251-2376-869, E-mail: martin.pries@wzw.tum.de

Zitat: „Erfolgreich wird der sein, der Milchleistungen oberhalb von 8.500 kg pro Kuh und Jahr erzielt und etwa 50 Prozent der Milch aus dem Grobfutter produziert.“

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