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Kommentar der Ausgabe 01/07

WEG VON DER ÜBERPRODUKTION - HIN ZU NEUEN PERSPEKTIVEN

 

Andreas Schütte, Gülzow

 

Der Anbau nachwachsender Rohstoffe in Deutschland überstieg im Jahr 2006 eine Gesamtfläche von deutlich über 1.500.000 ha. Dies bedeutet in etwa eine Verdoppelung des Flächenanteils gegenüber dem Jahr 2000 und entspricht aktuell mehr als 13 Prozent der in Deutschland zur Verfügung stehenden Ackerfläche.

 

Verbesserte Rahmenbedingungen und steigende Kosten für fossile Rohstoffe führten zuletzt zu einem regelrechten Boom land- und forstwirtschaftlich erzeugter Energieträger, der längst nicht mehr von allen Teilen der Gesellschaft uneingeschränkt positiv bewertet wird. Lebens- und Futtermittelproduzenten sowie Branchen der stofflichen Nutzung von Biomasse fürchten um ihre Rohstoffbasis, Natur- und Umweltschutzverbände beschreiben teils düstere Szenarien hinsichtlich einer Intensivierung der Landnutzung, bei der ökologische Standards teilweise über Bord geworfen werden. Einige Agrarökonomen sehen gar schwerwiegende globale Verwerfungen sowie den ineffizienten Einsatz von Subventionen und selbst viele Landwirte, die eigentlich als Energiewirt unmittelbar von den Entwicklungen profitieren sollten, sind in Sorge um steigende Pachtpreise usw.

All diese Sorgen und Befürchtungen sind sehr ernst zu nehmen, denn ein weiterer Ausbau der regenerativen Energien kann nur mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz funktionieren. Gesellschaft und Politik bestimmen nicht zuletzt auch künftig die Ausgestaltung von verlässlichen Rahmenbedingungen, ohne die - zumindest heute - nachwachsende Rohstoffe meist noch nicht wettbewerbsfähig wären.

 

Wichtige Impulse haben sich z.B. aus der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2004 ergeben. Die Einbeziehung eines speziellen „NaWaRo-Bonus“ in die Berechnung der Stromeinspeisungstarife hat dazu geführt, dass nicht nur die Zahl der Biogasanlagen sowie die installierte Leistung steigen, sondern besonders auch der Einsatz von landwirtschaftlich erzeugten Energiepflanzen. Dabei setzt die Praxis derzeit auf einen hohen Anteil an Silomais. Auf Basis vorliegender Zahlen zum Anbau von Biogassubstraten auf Stilllegungsflächen sowie mit Inanspruchnahme der Energiepflanzenprämie kann abgeschätzt werden, dass der Maisanteil zurzeit oberhalb von 80 Prozent liegt.

Der hohe Maisanteil ist im Grunde verständlich, denn Silomais ist bei geeigneten Standortverhältnissen ein idealer Rohstoff für Biogasanlagen. Die europäische Maiszüchtung befindet sich auf sehr hohem Niveau; die Ausrichtung auf Energiemaistypen verspricht kurzfristig weitere Fortschritte. Aus der Futterproduktion stehen optimierte Verfahrensabläufe und leistungsfähige Landtechnik für Ernte und Silierung zur Verfügung.


Berücksichtigt man aktuelle Prognosen des Fachverbands Biogas e.V., dann würde bei vollständiger Ausnutzung der Biogaspotentiale bis zum Jahr 2020 eine nochmalige Verzehnfachung der Produktionsflächen für Biogassubstrate auf circa zwei Mio. ha erforderlich. Praxis und Forschung müssen sich daher intensiv mit Ergänzungen bzw. standortabhängigen Alternativen zum Maisanbau beschäftigen.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. hat hierzu eine Vielzahl interessanter Züchtungs- und Anbauprojekte begonnen. Aufbereitete Forschungsergebnisse zu neuen Hoffnungsträgern, z.B. zu Sudangras und Zuckerhirse, sowie Daten zu effizienten und umweltgerechten Fruchtfolgesystemen und zur Standorteignung alternativer Anbauverfahren, wie dem Zweikulturen-Nutzungssystem oder dem Mischfruchtanbau, liegen ab dem Frühjahr 2007 zumindest für zwei bis drei Anbauperioden vor. Eine interessante Unterstützung für die Praxis stellt die im November 2006 erschienene „KTBL-Datensammlung Energiepflanzen“ dar. Weitere Veröffentlichungen zu interessanten Forschungsergebnissen folgen in Kürze. Dabei werden selbstverständlich auch ökologische Aspekte und Konkurrenzbeziehungen zwischen der Nahrungsmittel- und Industrierohstoffproduktion eine Rolle spielen.

 

Als wesentliches positives Ergebnis für die Land- und Forstwirtschaft kann aber abschließend festgestellt werden, dass die Preise für land- und forstwirtschaftliche Produkte gestiegen sind. Überproduktion in der europäischen Agrarwirtschaft weicht Nutzungskonkurrenzen, so dass Land- und Forstwirtschaft eine gute Perspektive für die Zukunft haben! Diese gilt es zu gestalten.

Zitat: Überproduktion in der europäischen Agrarwirtschaft weicht Nutzungskonkurrenzen, so dass Land- und Forstwirtschaft eine gute Perspektive für die Zukunft haben!


 

Dr.-Ing. Andreas Schütte, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., 18276 Gülzow
Tel.: 03843-6930–101, Fax: 03843-6930-102, E-Mail:
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