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Kommentar der Ausgabe 01/05

AUCH IM ZEICHEN DER AGRARREFORM: QUALITÄT UND UMWELT HABEN PRIORITÄT


Werner Buchner, Bonn

 

Noch steht das Anbaujahr 2004 im Zeichen eines neuen Rekords: so wurde - sicher auch aufgrund der witterungsbedingten Futterknappheit im extremen Trockenjahr 2003 - der Maisanbau auf insgesamt 1,710 Millionen Hektar vornehmlich durch die Ausweitung des Silomaisanteils um 4,5 Prozent ausgedehnt.

Dem Produktionstechniker drängt sich hierbei die Sorge um zukünftige Auswirkungen eines sich verändernden Klimas auf: mit durchaus hoher Wahrscheinlichkeit werden die Sommer heißer, die Niederschläge - insbesondere im mitteldeutschen Trockengebiet - geringer, bei starken Gewitterniederschlägen aber um so heftiger und vielerorts erosiv wirksam „ausfallen“. Die Winterfeuchte dürfte zunehmen, während die Zahl der Frosttage zurückgeht und sich die Vegetationsperiode durchaus produktiv verlängern könnte. Letzteres beschwört indessen die verstärkte Gefahr von Früh- und Spätfrösten herauf, die – wie sich auch während der schwierigen Jugendentwicklung des Maises im Anbaujahr 2004 zeigte – zu erheblichen Herausforderungen im Hinblick auf den Pflanzenschutzmitteleinsatz führte.

Es zeigt sich wieder einmal, dass eine zu optimierende Produktionstechnik unter den vorgenannten extremen Witterungsbedingungen eine ständige Herausforderung darstellt. Im Hinblick auf einen zukunftsorientierten, nachhaltigen und standortgerechten Maisanbau stehen zwar die Folgen einer langfristigeren Klimaänderung – mit durchaus guten Vorzeichen für die Wärmebedürftigkeit des Maises bei ausreichender Wasserversorgung – nicht so sehr im Vordergrund wie die aktuelle Anpassung an die sich gegenwärtig verstärkenden Witterungsextreme.

Insofern gewinnen die in nachfolgenden Beiträgen bearbeiteten Themenbereiche z.B. im Hinblick auf die optimale und grundwasserverträgliche Stickstoffeffizienz von wirtschaftseigenen Düngemitteln, aber auch die Verträglichkeit von Pflanzenschutzmitteln unter den unterschiedlichsten Boden- und Standortbedingungen, an Gewicht. Dass die Grundnährstoffversorgung vielerorts ins Minimum gerät, wurde seinerzeit bei der damaligen Landwirtschaftskammer Rheinland im Zuge der Bewertung von Nährstoffvergleichen deutlich.

 

So drängte sich die Frage auf, ob in den Jahren zuvor aus den durchaus reichlicheren Reserven des Unterbodens geschöpft und damit für die Versorgung der Ackerkrume ein zu geringer Nährstoffbedarf ermittelt wurde. In der Tat zeigt sich in zahlreichen Felderhebungen, dass nicht nur Pflanzenschutzmittel, sondern auch Nährstoffe in vielen Betrieben an der Minimumgrenze „gefahren“ werden. Hier möchten wir den Bogen nicht überspannen und mit der „guten fachlichen Praxis beim Düngen“ eine optimale Nährstoffversorgung – die ja auch extreme Witterungssituationen durch Trockenheit oder Vernässung abpuffern kann – gewährleisten.

Gerade zum Beginn des neuen Jahres werden aber die aktuellen Fragen und Anliegen der Produktionstechnik von Diskussionen und Spekulationen um das Inkrafttreten der neuen Regelungen einer umfassenden Agrarreform der EU im Zeichen der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) überlagert.

Viele Landwirte, aber auch die mit der Förderung und Bewertung von Zahlungsansprüchen beauftragten Beratungsorganisationen, Landwirtschaftskammern und Verbände stehen einer Vielzahl gleichzeitig zu erfüllender Anforderungen gegenüber: gilt es doch, die bereits für 2005 zu beantragenden Direktzahlungen mit der Einhaltung der zahlreichen Vorschriften in den Bereichen Umweltschutz, Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit und Tierschutz zur Deckung zu bringen.

 

Auch wenn nicht alle vorgenannten Rechtsvorschriften im ersten Jahr in Kraft treten, so müssen die sogenannten „Cross-Compliance“-Bestimmungen („Überkreuzverpflichtungen“: Bindung der Direktzahlungen an bestimmte Grundanforderungen in der Betriebsführung und Erhaltung der Flächen in einem „guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand“) im Hinblick auf die Flächenbewirtschaftung bereits seit dem 1. Januar 2005 erfüllt werden. Wir stehen dieser Entwicklung jedoch nicht unvorbereitet gegenüber.

Die Verfahrenstechnik hat – wie in den nachfolgenden Beiträgen beschrieben wird - einen hohen Stand erreicht, ist praxisgerecht umsetzbar und lässt auch die ernsten Probleme einer notwendigen Bekämpfung von Fusarien in Blattfruchtfolgen nicht außer Acht.

Die Leitbetriebe leisten in den vorgenannten Bereichen zum einen Pionierarbeit, zum anderen zeigen sie – wie am Beispiel des Landwirtes Peter Felix Bäßgen in der Betriebsreportage belegt – dass sich die in Feldversuchen erarbeiteten Grundlagen großtechnisch und ökonomisch verträglich in der Praxis umsetzen lassen.

Damit sind wir auch den Herausforderungen einer neuen Agrarpolitik – von der Anbautechnik bis hin zur Rückverfolgbarkeit über alle Produktionsstufen von Lebens- und Futtermitteln – gewachsen.

 

Prof. Dr. Werner Buchner, Landwirtschaftskammer NRW, Bonn, Tel.: 0228-703-1310, Fax: 0228-703-8289,
Email: werner.buchner@lwk.nrw.de

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