Nachhaltiges Wirtschaften ist im Maisanbau weiter verbreitet als allgemein bekannt
Jürgen Pickert, Potsdam
Nicht erst seit der Konferenz in Rio 1992 wird über nachhaltige Wirtschaftsweisen diskutiert. Als besonders vehement kann man diese Diskussionen jedoch nicht bezeichnen. Dabei heben sich die drei Bestandteile des Nachhaltigkeitsbegriffes „ökonomisch, ökologisch, sozial“ in ihrem umfassenden Ansatz wohltuend von manchmal sehr einseitigen Betrachtungsweisen über Emissionsgrenzwerte und Individuenzahlen ab. Darum ist die Nachhaltigkeitsdebatte grundsätzlich gut. Über Nachhaltigkeit zu diskutieren ist dennoch nicht leicht, weil sehr komplex und fachlich sehr anspruchsvoll.
Die Verfasser des nachstehenden Beitrages zur Nachhaltigkeit im Maisanbau haben sehr viele und sehr unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe mit Maisanbau bewertet. Ob nun im Ackerbaubetrieb mit hohem Anteil Körnermais, im flächen- und viehstarken Gemischtbetrieb mit Silomais oder im Veredlungsbetrieb, sie können nachhaltige Wirtschaftsweise dort bescheinigen, wo nicht gerade Managementfehler dem entgegenstehen. Letztere sind bekanntlich aber vermeidbar. Weniger für den Maispraktiker, aber vielmehr für manchen, der nur oberflächlich auf den zunehmenden Maisanbau geblickt hat, ist verwunderlich, dass kaum ein Zusammenhang zwischen dem Umfang des Maisanbaues im Betrieb und den Bewertungsergebnissen besteht. So kann mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostiziert werden, dass auch bei den gegenwärtig heiß diskutierten erneuerbaren Energien der Mais nicht nur als Superpflanze an sich, sondern mit einem adäquaten Anbauverfahren nachhaltig die erste Wahl sein und bleiben wird. Erinnert sei nur an die inzwischen ja nun schon einige Jahrzehnte zurückliegende Debatte über Mais und Nitrat in Wasserschutzgebieten.
Dass aus der Sicht eines möglichst geringen Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln der Maisanbau ohnehin kaum zu schlagen ist, dürfte inzwischen auch bei Kritikern des Maisanbaues angekommen sein. Nun werden Risiken für Bodenerosion, Biodiversität und Humusgehalt vor allem im Zusammenhang mit dem gestiegenen Maisanbau für Biogasanlagen ins Feld geführt. Eines dieser drei Themen greift der Beitrag über das Humusmonitoring in Nordrhein-Westfalen auf. Auch wenn uns im Nordosten der Schreck wegen des Unglücks nach dem Winderosionsereignis auf der A 19 noch in den Knochen steckt, würde ich gerade aus der Sicht der leichten Böden auch das Augenmerk zuerst auf den Humusgehalt legen. Der in Biogasanlagen zu Energie verwertete Kohlenstoff geht der Fruchtfolge nun mal verloren und muss anderweitig herangeschafft werden. Eine mit bekannten Anbautechniken, nämlich allein schon durch Zwischenfruchtanbau, aber lösbare Aufgabe. Nachhaltiger Maisanbau ist in beiden Studien erst recht auch für viehstarke Betriebe mit Biogasanlagen wissenschaftlich nachgewiesen.
In der Öffentlichkeit läuft aber mancherorts eine andere, kritische Diskussion. Sie macht sich in Mais starken Regionen häufig allein daran fest, dass infolge neuer Biogasanlagen der Maisanbau weiter zugenommen hat. Das Meinungsbild ist allerdings diffus. Einerseits leben touristisch erschlossene, Mais starke Regionen nach wie vor gut mit „ihrem“ Mais. Andererseits stellen Menschen in Regionen mit eher geringen Anteilen in den Fruchtfolgen den Maisanbau in Frage, ja fühlen sich von einem ausgedehnten Maisschlag gar auf den Radwegen „bedroht“. So wissenschaftlich basiert scheinen diese Diskussionen nicht zu sein. Vermutlich geht es um eine eher „gefühlte“ Nachhaltigkeit.
Wenn landwirtschaftliche Betriebe unter großen finanziellen Anstrengungen Biogasanlagen in Betrieb nehmen, muss oft der gesamte Betriebsablauf total umgestellt werden, um die optimale Rohstoffversorgung der Anlage zu gewährleisten. Dann können ackerbauliche Parameter vorübergehend auch manchmal in Grenzbereiche geraten. Im Normalbetrieb angekommen sollte nachhaltige Wirtschaftsweise schnell wieder erreicht werden. Auch wenn es nur um die „gefühlte“ Nachhaltigkeit geht und jede Überbewertung fehl am Platze wäre, die Diskussionen belasten die Beziehungen der Menschen im ländlichen Raum untereinander und sollten ernst genommen und aktiv aufgegriffen werden.
Dr. Jürgen Pickert, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, 14467 Potsdam, Tel.: 0331 866-8820, Fax: 0331 27548-8820, Juergen.Pickert@MIL.Brandenburg.de

