Kommentar

Optionen zur Bekämpfung des Westlichen Maiswurzelbohrers kombinieren
Prof. Dr. Stefan Vidal, Georg-August-Universität Göttingen

 

Seit Anfang der 90er-Jahre der Westliche Maiswurzelbohrer nach Serbien eingeschleppt wurde, hat sich der Käfer rasant in zahlreiche zentraleuropäische Länder ausgebreitet und seit einigen Jahren auch Deutschland erreicht. Aus den Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg ist er nicht mehr wegzudenken (siehe Beiträge in diesem Heft), und vereinzelte Vorkommen in den nördlich angrenzenden Bundesländern in den letzten beiden Jahren verdeutlichen, dass die Ausbreitung gen Norden langsam, aber stetig voranschreitet. Sowohl die Regelungen auf EU-Ebene als auch auf nationaler und Länderebene haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, dass isolierte Populationen vorübergehend ausgerottet und doch zumindest die Populationszahlen beschränkt werden konnten, aber das Vorkommen der Käfer wird zum Normal- und nicht zum Ausnahmefall werden. Es ist somit an der Zeit, die zur Verfügung stehenden Bekämpfungsoptionen zu bewerten und zukünftige Strategien am Machbaren, aber auch an neuen Entwicklungen auszurichten.


An erster Stelle der Bekämpfungsmaßnahmen steht der Fruchtfolgewechsel. Eine Anbaubeschränkung von Mais, die vorschreibt, auf derselben Fläche Mais in drei aufeinanderfolgenden Jahren nur zweimal anzubauen, wird sicherlich das Populationswachstum beschränken; ob dies in Gebieten mit hohem Maisanteil allein ausreichen wird, muss die Zukunft zeigen. Die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Eingrenzung des Käfers haben für die betroffenen Landwirte bei starker Ausrichtung des Betriebes auf Maisanbau sicherlich erhebliche Konsequenzen. Die in diesem Heft beschriebenen Umstellungen auf weniger rentable Kulturen sind für die Landwirte nicht unbedingt attraktiv, werden aber sicherlich dazu beitragen, die Schäden durch den Käfer regional auf einem niedrigen Niveau zu halten.

 

Saatgut-Beizungen (z.B. mit Neonicotinoiden) sind in einigen  anderen europäischen Ländern erlaubt; in der Bundesrepublik ist aufgrund des Bienensterbens 2008 gegenwärtig mit keiner flächendeckenden Zulassung dieser Option zu rechnen. Eine Kombination des Fruchtwechsels mit einer Saatgutbeizung könnte jedoch einen weiteren Beitrag leisten, die Schäden durch die Käfer auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren.

Versuche  zur Bekämpfung des westlichen Maiswurzelbohrers mit Fadenwürmern haben in den letzten Jahren unter Feldbedingungen vielversprechende Ergebnisse geliefert. Praktische Probleme bei der Ausbringung dieser entomopathogenen Nematoden sind weitgehend behoben und insbesondere für Saatmaisbetriebe eine interessante Bekämpfungsoption.

 

Bisher nicht konsequent vorangetrieben wurde die Suche nach toleranten oder teilresistenten, konventionellen Maissorten. Da der Anbau von gentechnisch veränderten Sorten in den nächsten Jahren aufgrund der politischen Vorgaben nicht zu erwarten ist, sollten von den europäischen Saatzuchtfirmen verstärkte Anstrengungen  unternommen werden, neue Sorten auch in Hinblick auf ihre Eigenschaften gegenüber diesem Schädling (und auch gegenüber Drahtwürmern) zu testen. Insbesondere für Regionen mit hohem Anteil an Energiemais werden dann Probleme auftreten, wenn Fruchtfolgen zwingend eingeführt werden müssen.

 

Insgesamt gibt es keinen Grund zur Entwarnung, aber auch keinen Grund zur Panikmache. Die schon heute zur Verfügung stehenden Bekämpfungsoptionen werden in Verbindung mit neuen Entwicklungen sicherlich dazu beitragen, das Problem Westlicher Maiswurzelbohrer nicht bedrohlich werden zu lassen.

 

Prof. Dr. Stefan VidalProf. Dr. Stefan Vidal,
Georg-August-Universität Göttingen